Lehramtsstudium in der digitalen WeltWas lernen künftige Lehrkräfte?

Bis 2021 sollen, so die Vorgaben der KMK, alle Schülerinnen und Schüler Zugang zum Internet und zu einer digitalen Lernumgebung haben. Damit digitale Medien professionell und didaktisch sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden, müssen die Lehrerinnen und Lehrer über Medienkompetenz verfügen und entsprechende didaktische Konzepte kennen. Doch im Studium erwerben künftige Lehrkräfte diese Kenntnisse und Kompetenzen oft nicht. Laut Studie „Lehramtsstudium in der digitalen Welt“ können Studierende an vielen Hochschulen ihr erstes Staatsexamen ablegen, ohne Lehrveranstaltungen zum Thema digitale Medien belegt zu haben.

Lehren mit digitalen Medien

Lehren mit digitalen Medien. Foto: © Monkey Business - stock.adobe.com

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Wenig staatliche Vorgaben

Die Länder könnten über die Staatlichen Prüfungsordnungen oder die Zulassungsvoraussetzungen zum Vorbereitungsdienst Einfluss auf die Studieninhalte nehmen. Doch nur in Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen werden derzeit in staatlichen Prüfungsordnungen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien und ihrem methodisch­didaktischen Einsatz verlangt. In Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ist dies immerhin geplant.

Studium ohne Medienkompetenz

An vielen Hochschulen sind Lehrangebote zum Erwerb digitaler Medienkompetenz in den Lehramtsfächern nicht verpflichtend. Meist können sie als Wahlpflichtmodul oder -seminar belegt werden – oder eben nicht.

In Studiengängen für die Oberstufe an Gymnasien sind laut Studie nur an 7 von insgesamt 60 Hochschulen in allen Fächern verpflichtende Lehrveranstaltungen zum Einsatz digitaler Medien vorgeschrieben. In anderen Lehramtsstudiengängen sieht es noch düsterer aus. So müssen künftige Sonderschullehrerinnen und -lehrer an keiner einzigen Hochschule in allen Fächern Lehrveranstaltungen belegen, in denen sie lernen, wie sie Tablet, Smartphone oder interaktive Lernprogramme im Unterricht nutzen.

Zwar gibt es an rund drei Viertel der Hochschulen in einzelnen Fachdidaktiken und in den Bildungswissenschaften Lehrangebote zum Umgang mit digitalen Medien und zu ihrem methodisch-didaktischen Einsatz. „In den Fachwissenschaften einzelner Lehramtsfächer spielen solche Inhalte bislang nur an weniger als der Hälfte der Hochschulen eine Rolle“, heißt es in der Studie. Noch seltener sind Inhalte zum Erwerb von Medien- und mediendidaktischen Kompetenzen in allen Fachdidaktiken oder allen Fachwissenschaften verankert.

Wenig Praxisbezug

An den meisten Hochschulen sollen die Studierenden die erworbenen theoretischen Kenntnisse über digitale Lernumgebungen auch im Praxissemester oder in Praktika erproben. Doch nur bei jeder vierten Hochschule schreiben die Curricula das verbindlich vor. Und so bleibt die praktische Erprobung des theoretischen Wissens oft dem Zufall, den Möglichkeiten an der Praktikumsschule und dem eigenen Interesse überlassen.

Keine Computerfreaks

Wer auf die Eigeninitiative der Studierenden hofft, hofft möglicherweise vergebens. Denn der im vergangenen Jahr veröffentlichte Teil 2 des Monitors Digitale Bildung der Bertelsmann Stiftung „Die Hochschulen im digitalen Zeitalter“ zeigt: Künftige Lehrerinnen und Lehrer sind wenig digital-affin. Sie nutzen die verschiedenen digitalen Lernmedien im Durchschnitt weniger als Studierende anderer Fächer. Selbst wenn sie digitale Medien anwenden, fühlen sie sich dadurch weniger motiviert als andere Studentinnen und Studenten.

Empfehlungen

Studierende dürfen Fragen der Digitalisierung im Lehramtsstudium künftig nicht mehr aus dem Weg gehen können, fordern die Experten des Monitors Lehrerbildung. Denn von der Kompetenz der Lehrkräfte hängt es ab, ob und inwieweit die Potenziale digitaler Medien genutzt werden. Deshalb müssen bildungswissenschaftliche, fachdidaktische und fachwissenschaftliche Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in allen Lehramts­studiengängen verankert werden.

„Der konsequente Einsatz digitaler Medien zur individuellen Förderung aller Schüler muss Pflichtbestandteil in jedem Lehramtsstudium sein“, fordert Jörg Dräger, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung. Denn digitale Medien eröffnen neue Möglichkeiten für personalisiertes Lernen, so Dräger. Dies ist angesichts immer vielfältigerer Klassen ein großer Gewinn.

Bei der Auswahl der Praktikumsschulen muss laut Monitor Lehrerbildung darauf geachtet werden, dass die Studierenden digitale Medien im Unterricht erproben können. Die Universitäten sollten ihren Studentinnen und Studenten zudem durch die Einrichtung von Lehr-Lern-Laboren erste praktische Erfahrungen mit digitalen Medien in Unterrichtssituationen ermöglichen.

Auch die Länder sind in der Pflicht. Sie müssen, so die Experten, über Hochschul­verträge, Zielvereinbarungen oder staatliche Prüfungsordnungen sicherstellen, dass der Einsatz digitaler Medien im Lehramts­studium an allen Hochschulen systematisch verankert wird.      

 

Mehr zum Thema:

Die Studie „Lehramtsstudium in der digitalen Welt – Professionelle Vorbereitung auf den Unterricht mit digitalen Medien?!“ gibt‘s als Download.

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