Digitales SchulmanagementEin Interview mit Markus Heitz

Markus Heitz befasst sich mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf Leitungshandeln in Schulen. Während in anderen Branchen digitale Anwendungen den Berufsalltag von Führungskräften umwälzen, scheinen viele Schulleiterinnen und Schulleiter diese nur zögerlich anzunehmen. Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich: Smartphones, Clouds, virtuelle Kommunikationstools und mehr verändern die Arbeitsweisen in der Schulleitung und damit auch die Abläufe und Kommunikationsprozesse an der Schule zunehmend.

Lehrer sitzen vor einem geöffneten Notebook

Digitalisierung der Organisationsprozesse in der Schule. Foto: © Minerva Studio/stock.adobe.com

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Herr Heitz, wie arbeitet der künftige, rundherum digitale Schulleiter?

Markus Heitz: Auch in absehbarer Zukunft wird es keine „vollumfängliche“ digitale Schulleitung geben. Die Individualität der Schule und deren Prozesse werden immer eine persönliche Basis und direkte Ansprache verlangen. Doch eine Unterstützung von Computern und deren Anwendungen ist schon selbstverständlich geworden. Da die digitale Entwicklung weiter fortschreitet, muss man sich mit eben diesen Anwendungen weiter vertraut machen und sie effektiv zu nutzen wissen. Doch auch dann gilt: Die digitale Schulleiterin versteckt sich nicht hinter ihrem Bildschirm, sondern schafft sich durch individuelle und passgenaue digitale Helfer vielleicht gerade jene Zeitersparnis, die für die persönliche Betreuung benötigt wird.


In welchem Ausmaß werden digitale Medien denn von Schulleitungen bereits eingesetzt?

Alle, die ich befragt habe1, bescheinigen einen umfangreichen Einsatz und eine große Offenheit gegenüber digitalen Anwendungen. Dies betrifft eine Vielfalt an gebräuchlichen Text- und Datenverarbeitungsprogrammen, spezieller Schulsoftware und eigens vom Land entwickelten Programmen. Der Gebrauch variiert dabei stark mit dem tatsächlichen Nutzen. Gerade die Programme privatwirtschaftlicher Anbieter überzeugen die Schulleiterinnen und Schulleiter. Die verpflichtende Arbeit mit den landeseigenen Programmen, z. B. für das Erstellen der Statistik oder die Personalverwaltung, wird hingegen oft als mühsam und zeitaufwändig beschrieben. Dieser Tatsache möchte das Land Baden-Württemberg entgegenwirken und mit dem Aufbau einer landesweiten digitalen Bildungsplattform eine verlässliche, schulübergreifende, datenschutzkonforme und dauerhaft verfügbare technische Grundinfrastruktur schaffen.2


Was schätzen Schulleitungen am Einsatz?

Die Erleichterung und Beschleunigung von Kommunikation. Dies betrifft den Austausch mit dem und im Kollegium, aber auch zu den Schulaufsichtsbehörden, anderen Schulen, Kooperationspartnern und besonders den Eltern und Schülern. Gerade dieser Informationsfluss scheint sich durch digitale Anwendungen verbessert zu haben, was auch von der Gegenseite entsprechend wahrgenommen wird. Weiter bestätigen die Befragten einen besseren Überblick bei digitalen Ablagen, was die Bearbeitung wiederkehrender Aufgaben sehr erleichtert. Hat man auf diese Dateien dann cloudbasiert organisiert und von jedem internetfähigen Gerät aus entsprechend Zugriff, kann orts- und zeitunabhängig gearbeitet werden.


Wo liegen Hindernisse?

Der Datenschutz, der natürlich wichtig und berechtigt ist, erschwert oder verhindert noch die eine oder andere Anwendung – gerade im Bereich der Kommunikation. Aus Datenschutzgründen wehren sich beispielsweise auch manche Eltern gegen digitale Elternbriefe. Ein weiteres wichtiges Hindernis ist nach wie vor die oft unzureichende technische Ausstattung der Schulen, mit der ein zeitgemäßes, digitales Arbeiten oft nicht möglich ist.


Wie können digitale Medien das professionelle Schulleitungshandeln unterstützen?

Viele Arbeitsfelder können durch digitale Hilfe unterstützt werden. Die schnelle Kommunikation zu allen an Schule beteiligten Gruppen wurde schon genannt. Hinzu kommen das Erstellen und Bearbeiten von Stunden- und Vertretungsplänen, die Personalverwaltung oder die Koordination von Terminen. Über diese administrativen Tätigkeiten hinaus können sich in einem digitalen Schulmanagement Online-Plattformen oder Clouds entwickeln, die als Wissensspeicher oder Portfolio die Arbeitsweise aller Beteiligten und somit die Qualität der schulischen Arbeit maßgeblich beeinflussen können. Nach einer Einarbeitungszeit bieten digitale Anwendungen Zeiteinsparungen, Orientierung und Struktur. Sie erleichtern die tägliche Arbeit mit Formularen oder Berechnungen und erlauben flexible Lösungen. Auf eine einheitliche digitale Ablage kann mitunter orts- und zeitunabhängig zugegriffen werden, was nicht nur zu einem professionelleren Schulleitungshandeln, sondern auch zu einer wahrnehmbaren Entwicklung der Lehr- und Lerngegebenheiten führen kann.


Was sollten Schulleiterinnen und Schulleiter tun, um die Chancen der Digitalisierung zu entfalten?

Digitalisierung sollte zum Thema der Schulentwicklung gemacht werden. Eine klare strategische Ausrichtung erhöht die Transparenz der schulischen Arbeit sowie gleichsam die Akzeptanz und die benötigte Unterstützung der Beteiligten. Ein digitales Fundament kann wiederum weitere Schulentwicklungsprozesse maßgeblich unterstützen, indem z. B. vorgefertigte Strukturen Arbeitsvorgänge erleichtert werden. Wie bei allen schulischen Entwicklungen ist der Weg zu einem stimmigen digitalen Schulmanagement ein langwieriger Prozess. Es ist nicht mit der Einführung einer neuen Anwendung getan, denn neue Techniken und Möglichkeiten erfordern individuelle Passungen an die Einzelschule, was mit viel Arbeit verbunden ist. Diese Investition in eine zielgerichtete Implementation von digitalen Medien und Anwendungen im Schulmanagement wird jedoch sehr wahrscheinlich eine künftige Zeitersparnis und eine qualitativ bessere Bearbeitung schulinterner Organisationsprozesse bedeuten.


Vielen Dank für das Gespräch!

 

Anmerkungen

1 Heitz, Markus (2017): Digitales Schulmanagement Eine qualitative Untersuchung zum Einsatz digitaler Medien in der Schulleitung. Masterthesis im weiterbildenden Masterstudiengang Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

2 Die Einführung der Plattform ist zwischenzeitlich verschoben. Womöglich wird hier erst eine europaweite Ausschreibung erfolgen, was die Realisierung weiter verzögern wird

 

Zu den Autoren

Markus Heitz, M.A., ist Lehrer an der Geschwister-Scholl-Realschule in Winnenden (und u. a. Ausbildungsberater, Datenschutzbeauftragter, Verantwortlicher für die Schulhomepage). Sein Forschungsinteresse ist Digitales Schulmanagement (DSM).

Dr. Ulrich Iberer ist Akademischer Mitarbeiter am Institut für Bildungsmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Tobias Stricker, M.A., ist Akademischer Mitarbeiter am selben Institut.

 

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