Wie Kinder bei Netzaktivitäten begleitet werden solltenImmer on!

Noch vor einigen Jahren bekamen Mädchen und Jungen üblicherweise zum Start in die weiterführende Schule ihr erstes Smartphone. Heute besitzen schon viele Grundschulkinder ein eigenes Gerät, andere wünschen sich eins. Das Smartphone ist zum multifunktionalen Alltagsbegleiter und zum Statussymbol geworden. Doch was kinderleicht aussieht, ist es nicht unbedingt. Auf jeden Fall brauchen Grundschulkinder als Medienanfänger Anleitung und Unterstützung.

Kind mit Smartphone. Medienbildung und Begleitung sind wichtig.

Umgang mit dem Smartphone – wirklich kinderleicht? © Anviere – Pixabay.com

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Das Internet in der Hosentasche

Die augenscheinlich kinderleichte Bedienung durch die Tipp- und Wischbewegungen auf dem Display des Smartphones täuscht allerdings über eines hinweg: Kinder sind Medienanfänger, die unbedingt Anleitung und Unterstützung durch ihre Eltern brauchen. Eine der großen Herausforderung ist die digitale Kommunikation via Threema, WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten. Bei der Vielzahl an Nachrichten, die auf dem Handy-Display aufleuchten, stellt sich schnell die Frage: Wer führt über wen das Kommando? Der Mensch über die Technik – oder umgekehrt?

Laut einer Studie der Universität Bonn vergehen bei Kindern und Jugendlichen zwischen den einzelnen Blicken auf das Smartphone durchschnittlich 10 Minuten (Markowetz 2015). Hat jemand geschrieben? Gibt es etwas Neues?

Digitale Kommunikation hat ihre Tücken

Neben dem Stress, den die Vielzahl an Nachrichten und deren Verarbeitung durchaus verursachen, entstehen durch individuellen Interpretations­spielraum oft Probleme im Umgang miteinander. Nachrichten werden falsch verstanden, Emojis falsch gedeutet, Mitschüler aus Gruppchenchats ausgeschlossen und beleidigt. Es kommt vor, dass peinliche Fotos verschickt werden oder Kettenbriefe die Runde machen, deren unangenehmer Inhalt Jungen und Mädchen nachts schlecht schlafen lassen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte der Umgang mit dem Smartphone in der Klasse und in den WhatsApp-Gruppen gemeinsam von Lehrkräften und Eltern thematisiert und mit Kindern trainiert werden. Denn die Regeln des sozialen Miteinanders, die nahezu in jedem Klassenraum hängen, sollten auch Beachtung in der digitalen Kommunikation finden. Mit Eltern sollte besprochen werden, wann die Kommunikation in den WhatsApp-Gruppen pausiert und das Handy zur Seite gelegt wird. So kann man der Angst vieler Kinder und Jugendlichen, etwas zu verpassen, entgegensteuern, wenn sie das Handy zu Hause zu bestimmten Zeiten ausschalten. Auch über alternative Messenger, die mehr Sicherheit in Bezug auf den Datenschutz bieten, wäre ein Austausch zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern sinnvoll. Denn anders als bei WhatsApp greifen einige der alternativen Messenger nicht auf das komplette Adressbuch des jeweiligen Nutzers zu und werten auch nicht aus, wer mit wem viel oder wenig kommuniziert.

Beschränkung als Schutz

Neben der zeitlichen Beschränkung ist es aus pädagogischen Gründen und aus der Sicht des Jugendschutzes wichtig, den Zugang zu ungeeigneten Inhalten zu erschweren. Unterschiedlichste Apps ermöglichen einen schnellen Zugang zu spannenden Spielen und zu lustigen Filmen – aber auch zu Gewaltdarstellungen, zu pornografischen, verunsichernden, schockierenden oder ängstigenden Inhalten. Um Kinder davor zu schützen, können Eltern in den Jugendschutzeinstellungen der Smartphones hinterlegen, ob und welche Spiele-, Film-, oder Musik-Apps heruntergeladen werden dürfen. Da alle Apps im Google Play Store mit einem Alterskennzeichen der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) versehen sind, kann beispielsweise nur ein Zugriff auf Apps mit einer Freigabe ab 0, 6 und 12 Jahren ermöglicht werden. Der Download von Apps mit einem höheren Alterskennzeichen wird dadurch verhindert. Auch im Appstore von Apple finden sich Alterskennzeichen. Allerdings entsprechen die Klassifizierungen den amerikanischen Einstufungen (4+, 9+, 12+ und 17+) und sind somit nicht mit den in Deutschland bekannten Alterskennzeichen identisch. Die Unerfahrenheit von Kindern und Jugendlichen kann auch in Bezug auf manipulierende Werbung, Kostenfallen oder das Abgreifen und Ausspionieren persönlicher Daten ausgenutzt werden. Deshalb sollte jede App nur auf die Funktionen und Daten zugreifen, die sie zum Erfüllen ihrer Aufgabe benötigt. Mit alternativen Apps, die weniger Berechtigungen bei der Installation benötigen, können private Daten besser geschützt werden.

Mündige Mediennutzung

Der richtige Umgang mit unterschiedlichen Medien ist eine Frage von Lernerfahrung und Erziehung. Dabei sind Eltern ebenso gefordert wie pädagogische Fachkräfte in Kitas, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen. Schule sollte die Chance nutzen, die jungen Menschen zu unterstützen und zu fördern, damit sie nicht zu „Sklaven der Technik“. Weil sie deutlich weniger souverän und selbstbewusst mit der Technik umgehen, überwiegen bei ihnen die Gefahren gegenüber den Möglichkeiten bei Weitem. Mädchen und Jungen, die bereits zu den „Sklaven der Technik“ gehören, wirken latent überfordert, agieren eher unkritisch und lassen sich gerne von den faszinierenden Angeboten rund um Instagram und YouTube oder durch digitale Spielewelten stärker ablenken, als es ihnen gut tut. Um sich souverän und kritisch in den Onlinewelten zu bewegen, brauchen Kinder und Jugendliche altersgerechtes Hintergrundwissen zu den Risiken und vertrauenswürdige Informationen, die im Schulunterricht vermittelt werden können.

Bei Fragen weiterhelfen

Eltern haben viele Fragen rund um die Medienerziehung – egal, ob es um die Mediennutzungszeiten oder den Zugang zu Medieninhalten geht. Regeln rund um die Smartphone-Nutzung sollten von Eltern und Kindern gemeinsam aufgestellt und deren Einhaltung kontrolliert werden. Das kann beispielsweise ein beiderseitiges Smartphone-Verbot während der Mahlzeiten oder bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten sein. Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) hat in den vergangen Jahren mehr als 190 pädagogische Fachkräfte als Eltern-Medien-Trainer zertifiziert, um auf medienpädagogischen Informationsveranstaltungen in Schule, Kita und Jugendhilfe Fragen von Müttern und Vätern zu beantworten und Tipps für die Medienerziehung zu geben. In den Fortbildungen der LJS wird nicht nur der Status quo hinsichtlich der Mediennutzung von Mädchen und Jungen beleuchtet, sondern auch Hinweise auf die Herausforderungen und Risiken rund um den Jugendmedienschutz geliefert. Nur im Zusammenspiel zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern kann es gelingen, Kinder und Jugendliche zu einem kritischen, selbstbestimmten Handeln im Internet zu befähigen.

Literatur

Markowetz, A. (2015): Digitaler Burnout. München.

 

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Jugendschutz in den Bundesländern 

 

Eva Hanel ist Medienreferentin in der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen, Hannover

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