Die Gläserne Decke durchstoßenVerhaltensweisen für starke Führungspersönlichkeiten

Mädchen und junge Frauen liegen bei gehobenen Schul- sowie Studienabschlüssen vorn. Doch in gut bezahlten Jobs oder gar in Führungspositionen sind Frauen unterrepräsentiert. Ein Ansatz zur Abhilfe, der auch denen hilft, die sich schon im Arbeitsalltag bewähren müssen: Verhaltensweisen stärken, die der Karriere förderlich sind und in Führungspositionen weiterhelfen! Fünf Tipps – nicht nur für Frauen.

Verhaltensweisen für starke Führungspersönlichkeiten

Weibliche Führung: würdig, kompetent und am richtigen Ort. © b-fruchten/photocase.de

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Dass sich Frauen selten durchsetzen, wird auch mit dem Begriff der „Gläsernen Decke“ beschrieben. Damit wird auf Strukturen angespielt, die es Frauen erschweren, ihren Weg in Chefetagen und andere Stellen mit guter Bezahlung und Einfluss anzutreten. Mit Mitteln wie Quotenregelungen wird versucht, hier Abhilfe zu schaffen. Allerdings gibt es auch Verhaltensweisen, die besonders Frauen (aber natürlich auch Männer) häufig an den Tag legen, die Aufstiegschancen eher verringern.

Sally Helgesen, Leadership Coach aus den USA, macht es sich seit 30 Jahren zur Aufgabe, Frauen zu helfen, ihre Stärken zu erkennen, zu artikulieren und zu nutzen.

Studien zeigen, dass Frauen in Arbeitszusammenhängen eher für Präzision und Korrektheit geschätzt werden, Männer dagegen für Risikobereitschaft und Mut. Hier können Frauen also gewinnen, wenn sie die Zurückhaltung ablegen, die ihnen meist von klein auf antrainiert wurde. Natürlich gibt es auch viele Männer, die die genannten Verhaltensweisen an sich kennen. Für Helgesen ist es wichtig, eine Mischung von eher männlich und eher weiblich konnotiertem Gebaren hinzubekommen, um eine gute Führungskultur zu etablieren. Deshalb ist es ihr Ziel, dass die Hälfte der Führungspositionen von Frauen eingenommen wird.

In ihrem jüngsten Buch „How Women Rise“ untersucht sie – mit Koautor Marshall Goldsmith – Verhaltensweisen, die hinderlich sind, um im Job voranzukommen. Fünf davon hält Sally Helgesen für besonders herausstechend und gibt Tipps für Auswege.

  1. Eigene Leistungen geltend machen: Harte Arbeit und Erfolge stellen Frauen selten heraus. Sie tun sich schwer damit, sich gut zu „verkaufen“. Sie erwarten eher, dass andere die Mühen und Ergebnisse sehen und honorieren sollten, ohne dass sie selbst darauf hinweisen. Doch so funktioniert die Arbeitswelt selten. Meist muss man in eigener Sache trommeln, um angemessen wahrgenommen zu werden. Das könnte auch die Schulleiterin machen, die viele Projekte anschiebt und deren Schule häufig an Wettbewerben teilnimmt. Die Schul-Homepage ist ein guter Platz dafür.
  2. Sich auch mal unbeliebt machen: Mädchen werden dazu erzogen, nett, freundlich und eher unauffällig zu sein. Darum tun sich viele Frauen schwer damit, sich auch einmal unbeliebt zu machen. Nett zu sein kann beim Einstieg helfen, für den weiteren Aufstieg ist es nicht immer nützlich. Wer stets gefallen will, sagt zu selten nein und zu häufig ja. Das führt schnell dazu, dass man mit Aufgaben überhäuft wird und andere einen ausnutzen. Ein Ausweg liegt im Wechsel der Perspektive. Wenn wieder jemand kommt und einem weitere Arbeiten zuschanzen will, sollte man sich fragen: Ist das wirklich in meinem Interesse? Wie nützlich ist es für mich, auch das noch zu übernehmen? Versuchen Sie es einmal, in der kommenden Woche, all das zu hinterfragen, wofür andere Sie einspannen wollen. Sicherlich fällt es Ihnen mit den richtigen Fragen leichter, öfter nein zu sagen.
  3. Mit dem Imperfekten leben: Alles immer perfekt machen zu wollen, kostet viel Zeit und Mühe. Leicht kann man sich darin verlieren, an unwichtigen Details zu basteln. Doch machen diese Verbesserungen wirklich einen großen Unterschied? Das Hauptproblem am Perfektionismus ist, dass es Delegieren fast unmöglich macht. Denn andere legen wahrscheinlich nicht so viel Wert auf dieselben Dinge und könnten Fehler machen. Ein Standardsatz der Perfektionistinnen lautet deshalb: „Es ist einfacher, wenn ich es schnell selbst erledige!“ Um aus dieser Falle zu kommen, bietet es sich an, klein anzufangen. Man delegiert eine Aufgabe an eine Person, die man dafür sorgfältig auswählt, und lässt ihr dafür freie Hand. Man kann ihr Feedback und Rat anbieten, sollte aber die Kontrolle abgeben. Riskieren Sie einen solchen Schritt, können Sie erste Erfahrungen mit Delegieren machen.
  4. Fehler akzeptieren: Fehler passieren und aus Fehleranalyse kann man lernen, etwas besser zu machen. Doch immer wieder zu denken, das hätte ich besser machen können, hilft nicht weiter. Grübeln und Wiederkäuen von Fehlern binden Energie und Zeit und erschweren das Weitermachen. Leider ist diese Verhaltensweise bei Frauen häufiger zu finden als bei Männern. Statt sich selbst für Fehler lange böse, sollten Sie gnädig zu sich sein. Fehler passieren allen Menschen, also ab und zu auch Ihnen. Aufstehen, Staub abschütteln, weitermachen!
  5. Raum in Anspruch nehmen: Sowohl auf sprachlicher Ebene als auch beim physischen Auftreten neigen Frauen zum Verkleinern. „Haben Sie vielleicht eine Minute für mich?“ „Ich möchte nur mal eine Sache anmerken!“ Solche Verkleinerungen und häufige Entschuldigungen nutzen vielleicht auch Sie. Nicht unwahrscheinlich ist, dass auch Sie dazu neigen, sich unauffällig zu platzieren und eher unsichtbar zu machen. Oder setzen Sie sich bei einer öffentlichen Veranstaltung gern in der ersten Reihe in die Mitte? Gerade in Führungspositionen ist es aber nötig, aufrecht und mit erhobenem Haupt den Platz auszufüllen, der einem zusteht. Der wird nicht immer von anderen zugestanden. Deshalb sollten Sie auch in Ihrem Auftreten deutlich machen, dass Sie würdig, kompetent und am richtigen Ort sind.

 

Zum Thema

Sally Helgesen, Marshall Goldsmith: How Women Rise: Break the 12 Habits Holding You Back from Your Next Raise, Promotion, or Job. Hachette Books, New York, Boston.

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