Richtig sprechenDie Stimme als Führungswerkzeug

Die Stimme ist für Lehrkräfte wie für Schulleitungen ein Werkzeug. Organisation und Anleitung, ein Großteil der Kommunikation in der Schule erfolgt mündlich. Wer die eigene Stimme falsch einsetzt, muss damit rechnen, dass die Kommunikation nicht so klappt wie gewünscht. Außerdem können sich gesundheitliche Probleme einstellen. So weit sollte man es nicht kommen lassen!

In der Schule Stimme richtig einsetzen

Stimme ist ein Werkzeug, nicht Lautstärke © Mohammed Hassan/Pixabay.com

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Fast jede zweite Lehrkraft hat im Laufe ihres Berufslebens mal Stimmbeschwerden. Organische Schäden sind aber eher selten. Meistens liegt das Problem am falschen und unbewussten Gebrauch der Stimme. Und da lässt sich etwas machen. Doch nur in wenigen Bundesländern gehört die Ausbildung der Stimme zur Vorbereitung auf das Lehramt.

Nicht allein auf die Lautstärke kommt es an

Man kann die Lautstärke der menschlichen Stimme in sechs Stufen – von sehr leise (flüstern) über leise, normal bis hin zu laut (erhobene Stimme), sehr laut (für Verständigung über Entfernungen hinweg) und schreien – einteilen. Lehrkräfte nutzen im Unterricht sehr häufig die Modi laut und sehr laut, mit Unterschieden nach Fächern und Klassenstufen. (Die Stimmen der Unterrichtenden in Sporthallen werden am heftigsten strapaziert.)

Aber allein mit Lautstärke kann keine Lehrkraft im Unterricht bestehen, wenn es auch immer mal Situationen gibt, in der sie sich mit lauter Stimme durchsetzen muss. Immerhin wurden in Klassenzimmern schon 62 bis 72 Dezibel gemessen, in Sporthallen sogar bis 110 (für Arbeitsplätze mit einer Lärmbelastung ab 85 Dezibel ist Gehörschutz vorgeschrieben).

Grundsätzlich besteht aber beim häufigen Erheben der Stimme die Gefahr, den Lärmpegel weiter nach oben zu schrauben.

Stimme schonen, Klima verbessern

Stets mit erhobener Stimme zu sprechen greift die Stimmlippen an – und schlägt aufs Gemüt. Der Stress im Klassenzimmer steigt. Häufig ist es sinnvoller für die eigene Gesundheit wie für das Miteinander in der Klasse, auf andere Mittel als Lautstärke zu setzen.

Warten statt schreien

Abwarten kann Wunder wirken. Damit bekommt man jede Klasse und jedes Gegenüber ruhig, wenn auch nicht sofort. Diese Taktik funktioniert fast bei allen Gelegenheiten, z.B. zu Beginn des Unterrichts oder bei Phasenwechseln. Warten statt laute Anweisungen zu geben funktioniert deshalb so gut, weil die Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig aufmerksam machen. Viele sind von der Warterei genervt und bitten deshalb andere, endlich ruhig zu werden.

Gezielt ansprechen

Lehrkräfte neigen dazu, die Lerngruppe als Gesamtheit anzusprechen. Einzelne oder Kleingruppen zu adressieren ist nicht nur stimmschonend, sondern auch zielgerichteter. Lob wie Tadel kommen besser an, wenn sie persönlich sind. Wenn Sie etwas Negatives monieren wollen, können Sie bei denen, die es verursachen, gezielt eine Vor- oder Verwarnung hinzufügen – wenn sie denn ernstgemeint ist.

Leise reden, Lautstärke dosiert einsetzen

Selbst wenn Sie ein lautes Organ haben, können Sie nicht ständig 25 Kinder und Jugendliche übertönen. Wenn aber laut oder sehr laut Ihre häufigsten Arbeitsmodi sind, gewöhnen sich die Lerngruppen daran. Dann hilft nur ein Umschalten: Senken Sie also grundsätzlich Ihre Lautstärke. Wenn Ihnen niemand zuhört, brechen Sie ab und klären Sie die Situation, aber erheben Sie nicht wieder Ihre Stimme, es immer noch keiner zuhören.

Weniger reden

Aus diversen Beobachtungen ist bekannt: Lehrkräfte reden zu viel im Unterricht. Bekannt ist auch, dass diese Redebeiträge keinen hohen Lerneffekt haben. Verabschieden Sie sich von der Illusion, dass ein von Ihnen erklärter Unterrichtsinhalt ein ausreichend behandelter Unterrichtsinhalt sei. Wenn Ihr Unterricht kooperativ, differenziert und von vielen Gruppenarbeitsphasen durchzogen ist, reden Sie weniger. Dann ist es einfacher, sich darauf zu beschränken, nur bei drei Anlässen zu sprechen: 1. Organisation (Gruppen einteilen, Arbeitsaufträge erteilen usw.); 2. Empathie (Begrüßung, Lob usw.) und 3. wirklich wichtigen Unterrichtsinhalten (bspw. Lehrervortrag).

Bewusst und bewegend sprechen

Alle Menschen hören jemandem, der lebendig und verständlich spricht, viel lieber zu als jemandem, der monoton redet oder nuschelt. Neben dem persönlichen Kontakt, der direkten Ansprache und dem Blickkontakt, ist die Modulation der Stimme deshalb wichtig für gute Kommunikation. Arbeiten Sie an Ihrer stimmlichen Ausdrucksweise und trainieren Sie.

Training hilft

Wer keine optimale Sprechtechnik einsetzt, riskiert Stimmprobleme. Sprechen ist wie Sport. Und wie beim Sport gibt es für das Sprechen bestimmte Trainingsmuster. Und die lassen sich erlernen, über Ratgeber, in Kursen oder bei Coaches.

 

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