Gesundheit als Aspekt der Unterrichts- und SchulentwicklungSchule erfolgreich machen …

Wenn zwei in Sachen Schule so engagierte und erfahrene Autoren wie Helmut Heyse und Bernhard Sieland ein neues Buch vorlegen, dann lohnt es sich hineinzuschauen.

Buchtitel "Kollegien stark machen"

Ein Buch für ein starkes Kollegium. © help Verlag

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Wenn zwei in Sachen Schule so engagierte und erfahrene Autoren wie Helmut Heyse und Bernhard Sieland ein neues Buch vorlegen, dann lohnt es sich hineinzuschauen. „Was Kollegien stark macht“ stellt einerseits ein professionelles Fazit nach langen Jahren der Beschäftigung mit diesem Themenfeld dar und andererseits eine folgerichtige Entwicklung nach Veröffentlichungen zur Lehrergesundheit, zur Schul- und Personalentwicklung. Der Band enthält in zehn sehr übersichtlich und leserfreundlich gestalteten Kapiteln von „Auf den Wandel antworten“ über „Feedback als kollegiale Ressource“ bis zu „Salutogen unterrichten – entlastende Unterrichtsgestaltung“ das, was man darüber wissen sollte, angereichert mit Anregungen, Einschätzungen, Herangehensweisen, Reflexions- und Umsetzungsvorschlägen.

Salutogene Aspekte als Leitmotive in der Schule

Die Leserinnen und Leser werden vom Autorenteam durch das Buch begleitet und geleitet. So wird ihnen beispielsweise nach der Einführung vorgeschlagen, die gemeinsamen Entwicklungsschritte mit dem abgebildeten „Spinnennetzdiagramm“ zu beginnen, dabei aber „nicht unbedingt mit dem Bereich anzufangen, in dem Sie die größten Defizite sehen. Dort könnte ein sichtbarer Erfolg möglicherweise länger auf sich warten lassen; das entmutigt und schwächt die Veränderungsmotivation sowie das Gefühl von Selbstwirksamkeit.“ (S. 18). Sei es bei den „sieben Schritten professioneller Entwicklungsarbeit“ (S. 42 f.), beim angemessenen Umgehen mit Widerstand („Was machen Sie mit Kolleginnen und Kollegen, die eigentlich gegen alles sind?“) (S. 55) oder beim Nachdenken über die individuelle oder kollegiale „Zufriedenheitsbilanz“ (S. 98), Heyse und Sieland beschreiben prägnant, worum es geht und worauf es ankommt. Dabei fokussiert das Autorenteam kollegiale Entwicklungsprozesse – wie es im Titel versprochen wird.

Trotz seiner Sequenzierung und Fokussierung ist der Band keinesfalls einsträngig, sondern eher wie eine Doppelhelix gestaltet. Beispielsweise finden sich Gesundheitsaspekte – als individuelle wie kollegiale Aufgabe – in vielen Kapiteln und verschiedenen Kontexten wieder. Auch das hat mit dem professionellen Hintergrund der Autoren, beide sind Psychologen, zu tun. Helmut Heyse hat u. a. in Rheinland-Pfalz das „Projekt Lehrergesundheit“ geleitet, Bernhard Sieland hat sich in seiner Professur am Institut für Psychologie der Universität Lüneburg u. a. der Personal- und Organisationsentwicklung sowie der Gesundheitsförderung verschrieben. Für beide gehören Kooperation und Teamarbeit im Alltag (und nicht als Vision) zur DNA entwicklungsfähiger Schulen, auch und gerade weil an vielen Schulen nur vordergründig gemeinsam gearbeitet wird: „Schule ist seltsamerweise kein Ort intensiver Zusammenarbeit. Lehrerinnen und Lehrer können sich als Einzelpersonen fachlich und pädagogisch weiterentwickeln, Unterrichtsformen ausprobieren, ihre Verhaltensstile pflegen (…). Das Ergebnis ist allerdings eine ,fraktionierte Schule‘“, wie der Pädagoge Helmut Fend sie bezeichnet hat, und damit nach Ansicht der Autoren weder ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag noch den Paradoxien permanenten Wandels entsprechend.

Kollegium als Kraftquelle

Ohnehin gelingt vieles in Schule nur dann, wenn das Kollegium selbst als Kraftquelle gepflegt und genutzt wird. Im Kapitel „Kooperation und Teamarbeit“ beschreibt das Autorenduo eingängig deren Gelingens- und Misslingensbedingungen, Vor- und Nachteile, Alternativen bei schwierigen Konstellationen, Risikofaktoren, häufig zu beobachtende Phasen in Kooperationsprozessen und strategische Überlegungen. Dabei greifen Sieland und Heyse auch auf das von ihnen entwickelte Lernarrangement „KESS“ (Kooperative Entwicklungsarbeit zur Stärkung der Selbststeuerung) zurück (S. 194). Eben damit setzt sich dann das Folgekapitel auseinander, ehe der Band mit Überlegungen zur entlastenden Unterrichtsgestaltung endet. Salutogene Aspekte als Leitmotiv ziehen sich durch den gesamten Band und werden im letzten Kapitel in ihrer Bedeutung für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler vermittelt und mit störungspräventiver Klassenführung verbunden. Als „Schlusswort“ finden die Leserinnen und Leser Brechts Gedicht „Der Zweifler“ als Angebot zum Nach- und Weiterdenken. Zugleich steht dieses Gedicht für die Haltung der beiden Autoren. Sie bleiben – trotz oder vielleicht auch wegen ihres stupenden Wissens – Fragende.

Fazit: Ein wunderbares und alltagstaugliches Arbeitsbuch auf hohem Niveau – für alle, die in oder mit Schule zu tun haben.

 

Das Buch:

Helmut Heyse & Bernhard Sieland:

Kollegien stark machen. Schulen erfolgreich entwickeln.

Bern 2018: hep verlag, 280 S., 25,– € (E-Book 19,99 €)

 

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