Kein Platz für MobbingSchikane und Gewalt erkennen und verhindern

Zahlreiche Kinder und Jugendliche haben Erfahrung mit Mobbing oder Bullying– wenn nicht am eigenen Leib, dann bei Freunden. Viele trifft es direkt, in der Schule oder im Freundeskreis, andere via Internet. Ende 2018 legte Unicef eine weltweite Studie vor, nach der sogar die Hälfte aller Teenager schon Opfer von Gewalt und Mobbing wurden. Unicef rief deshalb Schulen auf der ganzen Welt dazu auf, Schülerinnen und Schüler u.a. mit mehr Präventionsmaßnahmen besser vor Mobbing zu schützen. „Kurzfristig stört es das Lernen, langfristig kann es zu Depression, Ängsten und sogar Suiziden führen", sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore.

Mobbing

Ausgrenzung und Mobbing tun weh. © knallgrün – Photocase.com

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Zum Ziel von (Cyber-)Mobbing kann jeder und jede werden. Lächerlich gemacht und ausgegrenzt zu werden, bedroht oder beleidigt zu werden – das ist schon auf dem Schulhof oder im Sportverein schwer zu ertragen. Mobbing in sozialen Netzwerken wirkt noch weiter. Es gibt keine Rückzugszone mehr und auch nur wenige Möglichkeiten, sich Hilfe und Unterstützung zu holen oder dagegen vorzugehen, wenn eine Lüge, ein Gerücht oder ein intimes (oft bearbeitetes) Foto verbreitet wird. Betroffene schämen sich oft sehr stark, dass ihnen derart Erniedrigendes geschieht. Das ist peinlich und gerade für Jugendliche, die ja ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Zugehörigkeit zur Peergroup haben, kaum zu ertragen.

Massive Auswirkungen auf Opfer

Die Scham verhindert oft, dass Gemobbte sich anderen anvertrauen. Eltern und Lehrkräfte sollten deshalb sensibel für Signale sein. Das sind etwa: Außenseitertum, Zielscheibe von Witzen, Schulschwänzen, Verschlechterung der Schulleistungen. Bei der Zimmerverteilung auf Klassenfahrten oder bei der Wahl von Mannschaften im Sportunterricht wird es oft recht klar, wer ausgegrenzt wird.

Wenn Lehrkräfte oder Eltern den Verdacht auf Mobbing haben, können sie das ansprechen. Ihnen sollte aber klar sein, dass Betroffene sich oft nur schwer zu einem Outing überreden lassen. Erwachsene sollten keinesfalls eigenmächtig handeln, sondern die Vorgehensweise mit dem Kind oder Jugendlichen abstimmen. Jeder Schritt, den Eltern tun, etwa die Schule informieren, einen Rechtsanwalt einschalten oder mit dem Täter Kontakt aufnehmen, muss gemeinsam mit dem oder der Betroffenen gegangen werden. Im Notfall, also z.B. bei massiven Bedrohungen, müssen Eltern sich jedoch darüber hinwegsetzen und schnell handeln. Dabei kann auch eine Anzeige bei der Polizei geboten sein.

Was die Schule tun kann

Schulen sind Orte, an denen systemimmanent Mobbing vorkommt. Denn eine Schule oder eine Klasse ist eine Zwangsgemeinschaft mit Machtgefälle, Gruppendruck und Versagensängsten. Schulleitungen und Lehrkräfte können aber die Bedingungen in diesem System beeinflussen. Leitbilder und Regeln helfen, eine Norm zur Orientierung von Verhalten zu geben. Wenn sich eine Schulgemeinschaft darauf verständigt hat, wie die Mitglieder miteinander umgehen wollen und sollen, ist es leichter, abweichendes Verhalten zu benennen und Sanktionen auszusprechen. Es gibt diverse Präventionsprogramme (siehe unten), deren Kern in der Stärkung der Klassengemeinschaft besteht. Kinder und Jugendliche sollen dabei Regeln zum Umgang miteinander sowie mehr Empathiefähigkeit entwickeln und ein Gefühl für die Dynamik von Mobbinggeschehen bekommen. Mitläufer und stille Dulder sollen dazu ermuntert werden, ins Geschehen einzugreifen.

Zeit und Energie in ein gutes und anregendes Klassenklima zu stecken, empfiehlt sich, nicht nur für die einzelne Klasse, sondern für die gesamte Schule und das Kollegium. Wenn Schulleitung und Lehrkräfte Wert legen auf Gemeinschaft und ein gutes Miteinander, leben sie etwas vor, woran sich Schülerinnen und Schüler orientieren können. Das heißt z. B. konkret: Sie integrieren ihrerseits neue Kollegen oder Referendarinnen, sie halten sich gerne in der Schule auf, gehen freundlich miteinander um, pflegen Arbeitsgemeinschaften, besuchen sich im Unterricht, es gibt ein buntes und vielfältiges Schulleben außerhalb des Unterrichts.

Rat und Hilfe für Betroffene

https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/

 

Beispiele für Präventionsprogramme

http://praevention-in-der-schule-bw.de/,Lde/Startseite/Unterstuetzungssystem/Mobbingfreie+Schule

https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Praevention/Mobbing/index.html

 

Betroffenen Mut machen

Das Schulfernsehen planet schule will mit einer sechsteiligen Filmreihen zum Thema Mobbing Mut machen und aufrütteln. Sechs junge Menschen erzählen von ihrer Mobbingerfahrung und wie sie es geschafft haben, sich aus der Situation zu befreien. Alle englischsprachigen Clips sind abrufbar auf: https://www.planet-schule.de/sf/php/sendungen.php?reihe=1632

Mehr zum Thema

Lernchancen 98/2014 https://www.friedrich-verlag.de/shop/mobbing-entdeckendes-lernen-im-nawi-unterricht

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