Sexualisierte GewaltDie Schule ist durchaus auch Tatort

Sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch gehören leider zur Erfahrungswelt vieler Heranwachsender. Die Spreak!-Studie arbeitete erstmals heraus, wie verbreitet diese Erfahrungen unter 14- bis 16-Jährigen in Deutschland sind. Was hat die Schule damit zu tun? Sie ist durchaus Tatort, vor allem für verbale Gewaltformen. Und sie kann und sollte zum Schutzort vor sexualisierter Gewalt werden. Dazu muss das Thema hier aufgegriffen werden.

© femmecurieuse/Photocase.de

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Für die Studie Speak! wurden 2017/18 über 2.700 Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 16 Jahren befragt, welche Erfahrungen sie in ihrem bisherigen Leben mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Unterschieden wurden hierbei verschiedene nichtkörperliche und körperliche Formen.

Welche Erfahrungen machen Jugendliche mit sexualisierter Gewalt?

Beleidigungen, Anmache und andere Formen verbaler sexualisierter Gewalt kennen laut der Studie 55 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Jungen. Viele haben damit mehrfach zu tun gehabt. Auch bei den körperlichen Formen sind Mädchen weit häufiger betroffen als ihre männlichen Altersgenossen. Bereits jede dritte Jugendliche wurde schon gegen ihren Willen „angegrapscht“, bei etwa jeder zehnten gab es schon einen Versuch, zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu werden. Ungefähr 3 Prozent der befragten Mädchen berichten von einer Vergewaltigung.

Tatort Schule

Auf die Frage, wo sie sexualisierte Gewalt erlebt haben, wird die Schule häufig genannt. Insbesondere bei nichtkörperlicher Formen spielt die Schule eine zentrale Rolle. Allerdings geben vor allem die Jungen an, hier mit verbaler sexualisierter Gewalt zu tun zu haben. 69 Prozent der Betroffenen haben dies in der Schule erlebt – bei den betroffenen Mädchen sind es 40 Prozent. Mädchen erleben nichtkörperliche Formen sexualisierter Gewalt also häufiger außerhalb der Schule. 29 Prozent der betroffenen Jungen, geben an, in der Schule körperliche sexualisierte Gewalt erlebt erlebt zu haben – bei den betroffenen Mädchen sind es 22 Prozent. Wenngleich damit die Schule nicht zu den Hauptrisikoorten zählt – insbesondere Partys und der öffentliche Raum sind für Mädchen risikoreich – gehört es zu den schwierigen Aufgaben von Schule, Jugendlichen einen altersgemäßen Freiraum zu gewähren und gleichzeitig die Schule als Schutzraum für Jugendliche u. a. vor sexualisierter Gewalt zu stärken.

Dazu gehören Gespräche über sexualisierte Gewalt. In der Schule ist das Thema sexuelle Gewalt jedoch wenig präsent. Knapp die Hälfte der Befragten (47 %) spricht „nie“ über sexuelle Gewalt im Unterricht. Die Reaktionen der Jugendlichen auf die Befragung Speak! zeigen jedoch, dass die Heranwachsenden eine Auseinandersetzung mit diesem Thema, dass sie Orientierung, Hilfe und Unterstützung wünschen.

Sexualisierte Gewalt zum Thema machen!

Erwachsene Bezugspersonen sollten verstärkt zu verantwortlichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern werden, die Sicherheit geben. Dies gilt auch, im Sinne der Vermittlung von Sicherheit, für die Jugendlichen, die sexuelle Gewalt beobachtet oder davon gehört haben. In den Worten einer Befragten: „Es muss mehr und offen darüber gesprochen werden – Medien, Schule etc. Es sollte keinem peinlich sein.“

 



Literatur

Maschke, S. & Stecher, L. (2018). Sexuelle Gewalt: Erfahrungen Jugendlicher heute. (Speak!-Studie) Weinheim.

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