Antisemitische Stereotype aufdeckenBildungsarbeit zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung

Die Befreiung des KZ Auschwitz ist gerade 75 Jahre her. Auf den Gedenkfeiern für die Opfer des Nationalsozialismus wurde gemahnt, dass Antisemitismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ein Ende haben müssen. Doch aktuelle Befragungen zeigen, dass Ressentiments und Hass gegenüber Juden und Jüdinnen nicht aus allen Köpfen in Deutschland verschwunden sind. Nicht immer sind solche Einstellungen auf den ersten Blick klar zu identifizieren. Besonders junge Menschen sind mit judenfeindlichen Aussagen in sozialen Medien, in der Popkultur oder in politisch-populistischen Diskursen konfrontiert, ohne diese erkennen, einordnen oder eine Haltung gegen diese artikulieren zu können. Dieses ist eine Herausforderung für die Bildungsarbeit.

Politische Bildungsarbeit: Haltung gegen Rechts

Politische Bildungsarbeit: Gegen Antisemitismus

|

Antisemitismus heute

Antisemitismus nach 1945, „sekundärer Antisemitismus“, begegnet uns häufig unter dem Deckmantel einer „Erinnerungsabwehr“. Häufig geht er einher mit der Forderung nach einem „Schlussstrich“ unter die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und die Aufarbeitung der Verbrechen bis hin zur Relativierung oder Leugnung des Holocaust. Oft geschieht dies durch den Verweis auf ein eigenes, kollektives Leid, Leugnung der gezielten Vernichtungsabsicht der Shoa oder dem Infragestellen tatsächlicher Opferzahlen der NS-Verbrechen. Im sekundären Antisemitismus ist oft eine Verkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses zu finden: Jüdischen Menschen wird eine Mitschuld oder auch die Täterschaft selbst zugeschrieben. Häufig findet sich die Unterstellung, Jüdinnen und Juden würden die Erinnerung an die Shoa finanziell ausnutzen. Ähnliche Motive finden sich oftmals in Verknüpfung mit israelbezogenem Antisemitismus, z. B. Vergleiche zwischen Nahostkonflikt und NS-Verbrechen oder eine einseitige und undifferenzierte Darstellung Israels als Aggressor. Zudem werden Jüdinnen und Juden als machtvolles verschwörerisches Kollektiv dargestellt. Solche judenfeindlichen Erklärungsmuster finden wir aktuell in populistischen Diskursen, die auf die zahlreichen aktuellen Herausforderungen mit „einfachen“ Feindbildern antworten.


 

Zum Produkt: Allgemeinbildung

Lernen und Lehren sind im Zusammenhang mit dem Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule zu sehen. Und das heißt: Persönlichkeiten bilden, die in der demokratischen Gesellschaft zurechtkommen und künftige Herausforderungen meistern können.


Allgemeinbildung

Lernende Schule Nr. 87/2019

 


Konstruktive Auseinandersetzung

Für eine konstruktive Auseinandersetzung mit sekundärem Antisemitismus sind Methoden und Inhalte nötig, die die Pauschalisierung und Exotisierung jüdischer Menschen nicht weiter tradieren, sondern Konstruktionen von „Wir“ und „Die“ beschreiben und aufbrechen. Israelbezogenem Antisemitismus, der aktuell einen Aufschwung in allen Lagern von rechts bis links erfährt, kann im pädagogischen Setting eine sachgerechte, exemplarische Auseinandersetzung mit Konfliktfeldern und dem häufig in der Öffentlichkeit kommunizierten Gut-Böse-Schema ebenso entgegenwirken, etwa durch das Aufzeigen positiver Beispiele des Zusammenlebens in Israel.

Judenfeindliche Vorurteile und Stereotypen kennen keine Altersgrenzen und sind in der Mehrheitsgesellschaft vielfach verbreitet sind. Bildungsarbeit gegen Antisemitismus kann also auch ein Anstoß sein, im Sinne einer allgemeinen Menschenrechtsbildung einzustehen und Antisemitismus-kritische Haltungen zu fördern. Viele Schulen wünschen sich Unterstützung bei der Verankerung des Themas als zentrales Element der Allgemeinbildung. Dazu gehört auch eine Sensibilisierung der Lehrkräfte für Phänomene des sekundären Antisemitismus (an der Schule selbst, in Medien oder der Populärkultur).

Hier stellen wir Ihnen das Projekt „Antisemi … was?“ aus Nordrhein-Westfalen vor.

Zum ganzen Artikel

Mehr zum Thema

Geschichte lernen 185/2018: Geschichte von rechts

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung

Autorin und Autor

Antje Thul ist Leiterin des Projekts „Antisemi …was?“ und Museumspädagogin im Jüdischen Museum Westfalen.
Peter Römer ist päd.-wiss. Mitarbeiter am Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster.

Fachnewsletter Schule leiten & Lernende Schule

Exklusive Goodies  Unterrichtskonzepte
Neues vom Fach  Jederzeit kostenlos kündbar