1. – 13. Schuljahr

Margitta Schade

Externe Moderation nutzen

Praxisbericht von einer schulischen Klausurtagung

Die Zusammenlegung zweier Gymnasien in der großen Kreisstadt Borna erforderte 2006 auch die Änderung des Schulprogrammes. Um eine Ist-Stand-Analyse zu erhalten, stellte sich unser Gymnasium 2007 freiwillig der externen Evaluation. Riskant, dachten einige, mutig und notwendig, war das Urteil der anderen.
Die entscheidende Frage, wie weiter auf dem Weg der immer fortschreitenden Schulentwicklung, brachte uns auf die Idee einer Klausurtagung. Gemeinsam in Klausur zu gehen, an einem Ort außerhalb von Schule, das war unser Ziel.
Neue Wege:Klausurtagung und externe Moderation
Inzwischen gab es bereits die dritte Tagung im März 2015. Im Vorfeld dazu erarbeitete die erweiterte Schulleitung Schwerpunktthemen, die sich aus den Ergebnissen der Teilnahme an der zweiten freiwilligen externen Evaluation ergaben. So standen z.B. die Stärkung der Rolle der Schülersprecher, die Umsetzung der Idee des Schulkodexes, die verstärkte naturwissenschaftliche Bildung und die Intensivierung der Begabtenförderung auf dem Plan. Für die Leitung der Klausurtagung konnte ein Vertreter des Sächsischen Bildungsinstituts gewonnen werden. Mit ihm stellte ich im Vorfeld das Programm zusammen. Der externe Prozessmoderator half uns, über den eigenen Tellerrand zu blicken, ermöglichte den Abbau von Hierarchien und steuerte Gruppenaktivitäten und die themenzentrierte Arbeit.
An einem Samstag im März 2015 trafen sich je 20 Eltern, Lernende und Lehrkräfte und entwickelten in gemischten Arbeitsgruppen Lösungsansätze zu einzelnen Schwerpunkten. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgte im Plenum. Mithilfe von Schautafeln stellten Eltern, Schüler oder Lehrer die Ideen der einzelnen Gruppen vor. Die anschließende Diskussion vertiefte einzelne Vorschläge. Als besonders hilfreich für die Dokumentation erwies sich die Methode „graphic recording (vgl. auch den Beitrag P. Kuwan & C. Ridder auf S. 30 f.). So fasste eine speziell dafür gewonnene Fachkraft auf einem Plakat alle Tagesordnungspunkte, den damaligen Stand und die konkreten Maßnahmen zur weiteren Entwicklung zusammen. Inzwischen ist daraus eine Leinwand geworden, die für alle zugänglich in der Schule aushängt. In einer abschließenden Feedbackrunde kam jeder Teilnehmer zu Wort. Das war wichtig für den Erfolg der Veranstaltung.
Konferenzergebnisse unbedingt nutzen
Entscheidend ist die Weiterarbeit nach solchen intensiven Klausurtagungen. Die Bekanntgabe der Arbeitsergebnisse erfolgte zeitnah in der nächsten Gesamtlehrerkonferenz, im Eltern- und im Schülerrat. Gemäß unserem Motto: „Durch Transparenz zum Dialog über Mitwirkung zur Identifikation bezogen wir alle an Schule Beteiligten in die Schulentwicklung ein. So übernahmen erneut verschiedene Arbeitsgruppen die Umsetzung der Ideen. Die Lehrer und Schüler nutzten seitdem zwei Pädagogische Tage zur Weiterarbeit. Schulentwicklung ist ein stetiger Prozess. Er ruft besondere Freude hervor, wenn Ideen Gestalt annehmen und von vielen umgesetzt werden. Klausurtagungen haben uns maßgeblich geholfen, Eltern, Lehrer und Schüler für die gemeinsame Arbeit zu motivieren. Es ist nicht selbstverständlich, sich dafür samstags Zeit zu nehmen. Nach jeder Tagung ging ich stolz nach Hause, stolz auf das Erreichte und das Engagement aller Beteiligten. Diese Erfahrung bringt mich täglich vorwärts.
Mit Konferenzen macht wohl jeder ganz unterschiedliche Erfahrungen. Wenn ich selbst Konferenzen leite, versuche ich bestens vorbereitet zu sein, sachlich und fachlich fundiert aufzutreten, vorgegebene Zeiten einzuhalten und viele Teilnehmer zu Wort kommen zu lassen. Mich stören Veranstaltungen, aus denen ich nichts Neues für mich und meine Arbeit mitnehmen kann. Kurzweilig, interessant und informativ muss es sein. Lange Reden, Wiederholungen und Selbstdarstellungen machen mich unzufrieden. Zeit effektiv nutzen, miteinander vorwärtsgehen und voneinander...

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