1. – 13. Schuljahr

Sabine Schweder, Judith Weckwerth, Luise Wenzel

Mobile Lernbüros

Ein Setting, das verändertes Lernen erlaubt

Schulen in Mecklenburg-Vorpommern erproben ein mobiles Lernbüro. Lehrergesteuerter Unterricht soll nicht gänzlich aufgelöst werden, stattdessen wird er für die Schülerinnen und Schüler um das Arbeiten in einem Lernbüro ergänzt: Um Gelerntes zu vertiefen, zu üben, auf andere Sachverhalte zu übertragen und sich selbst dabei zu steuern. Die Kombination von lehrergeführtem Unterricht und Lernbüro ist vor allem für Ganztagsschulen eine Perspektive, um „Hausaufgaben zu ersetzen. Das an der Universität Greifswald am Institut für Bildungswissenschaften zu Forschungszwecken entwickelte Lernbüro für 7. Klassen aller Schulformen stößt auf viel Zuspruch, weil damit den Fragen nach einem verbesserten Umgang mit Heterogenität nachgegangen werden kann.
Was ist ein Lernbüro?
Ein Lernbüro ist eine Lernumgebung, in der Lehrende in eine dezentrale Position rücken. Schülerinnen und Schüler nehmen mittels eines Kompetenzrasters ihr Lernen selbst in die Hand. Mit roten, gelben und grünen Klebepunkte zeigen sie an: „Kann ich (grün), kann ich weniger (gelb), kann ich gar nicht (rot). Beobachtungen zeigen, dass Überschätzen und Unterschätzen dazu gehören und gewollt sind. So kommt das Wissen zum eigenen Vorwissen auf den Prüfstand.
Lernen, wie es zu mir passt
Sobald die Klebpunkte von den Mädchen und Jungen auf dem Kompetenzraster verteilt wurden, erfahren sie durch ihre Lehrkräfte nächste Schritte. Wenn z.B. für die Teilkompetenz „Ich kann Texte adressatengerecht formulieren gelb angezeigt wurde, dann wird empfohlen, auf diesem Level mit dem Training zu starten. Die Aufgaben liegen in „Griffnähe und sind in einer Box gesammelt. Die wandert durch die Klassen und bleibt da, wo gerade ein Lernbüro stattfinden soll. Mittels der Codierung auf dem Kompetenzraster werden die relevanten „Lernjobs in der Box gefunden. Die Lernenden greifen, je nach Selbsteinschätzung, entweder den gelben, aber spontan möglicherweise auch den roten oder grünen „Lernjob. Das Ampelsystem zeigt an: Rot markierte Lernjobs sind Aufgaben, die zumeist mit Lösungsblättern versehen und in sich geschlossen sind. Diese passen zum roten Punkt auf der Selbsteinschätzung. Bei diesen Aufgaben wird ein Maximum an Hilfen angeboten und die Aufträge sind überschaubar. Bei gelben Aufgaben öffnet sich die Aufgabenstellung und bezieht sich zum Teil auf bereits vorhandenes Vorwissen. Die Hilfen fallen entsprechend geringer aus. Bei grün gekennzeichneten Aufgaben wird Vorwissen vorausgesetzt. Die Aufgaben stellen sich offen. Eigene Vorstellungen müssen zumeist in die Lösung der Aufgaben eingebracht werden. Hilfen beschränken sich auf ein Minimum. Die Möglichkeit, immer wieder andere Entscheidungen zu treffen, motiviert die Schülerinnen und Schüler und erlaubt es ihnen, auszutesten, was „tatsächlich geht oder nicht geht.
Wo bleiben die Ergebnisse?
Nachdem die Selbsteinschätzung und damit die Orientierung dafür, welche Lernjobs aus der Lernbürobox auszuwählen sind, gegeben ist, erweitert sich die Lernumgebung um den Portfolio-Hefter. Dieser Hefter wird ebenfalls in der Lerngruppe ausgeteilt und hat gleich zwei Funktionen. Zum einen dient er dazu, Notizen, Vorüberlegungen und Skizzen zu sammeln, aber vor allem soll er systematischer Ablageort für die Lernergebnisse sein. Jeder Lernjob hat eine Kopfzeile, in der vermerkt ist, welche Lernergebnisse erwartet werden und wo sie im Portfolio abzulegen sind. Dieser Überblick hilft auch begleitenden Lehrpersonen. Die Lernbürobox beherbergt immerhin rund 100 Lernjobs, mit denen immer wieder andere Lernergebnisse entstehen. Jeder Lernjob führt somit zu jeweils spezifischen Lernprodukten. Für den vollständigen Durchblick sorgt ein Inhaltsverzeichnis, spontane oder verbredete Gespräche zwischen Lehrenden und Lernenden basieren damit immer auf den abgelegten Ergebnissen im Portfolio.
Wie wirkt das Lernbüro?
Um...

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